Bilder einer Geburt [Archiv 2005]

Jannis und Gundel

Bilder einer Geburt [Archiv 2005]

„Dann können Sie das Kind auch gleich im Busch werfen!“ So befand mein Frauenarzt doch recht erzürnt im Jahr 2000, als ich meinen Wunsch äußerte, meinen Sohn im Geburtshaus gebären zu wollen. Ausführlich hatte ich mich vorher bei den ortsansässigen Kliniken über die dortigen Bedingungen erkundigt. Aber selbst bei jenen, die neben den kalten Kreißsälen bereits heimelige Gebärräume, ausgestattet mit Tuch, Wanne und Hocker eingerichtet hatten, wurde seinerzeit die von mir so angestrebte Wassergeburt nicht angeboten. „Bevor die Presswehen kommen, müssen Sie raus!“ hieß es da.
Unter Wehen klatschnass und bewegungseingeschränkt noch ein Umzug? Um dann am Ende doch noch entbunden zu werden, statt aktiv zu gebären? Der Gedanke behagte mir nicht. So fand ich das Geburtshaus und mit ihm meine wunderbare Hebamme Corinna Stahlhofen. Und erlebte besten persönlichen Support unter der Naturgewalt Geburt.

Dankbar für dieses Erlebnis, das ich kaum in eindrücklicher Form mit Frauen teilen konnte, die Entscheidungshilfe suchten, ärgerte ich mich über die damals aktuellen Doku-Soaps „Schnulleralarm“ und „Mein Baby„. Denn die transportierten überwiegend Bilder von Klinikgeburten: Frauen in Gynäkologie-Stühlen wurden – bequem für die Geburtshelfer – rücklings entbunden und sahen dabei selten so aus, als könnten sie ihre Mitte finden. PDAs und Kaiserschnitte wurden als normale Geburtseingriffe dargestellt. Und die wenigen gezeigten Hausgeburten kamen auch nicht sehr vertrauenserweckend rüber (Im Ernst, wer ist denn zur Geburt auch tiefenentspannt, wenn ein komplettes Kamerateam mit voller mobiler Beleuchtung und Tonmensch mit im Schlafzimmer rumturnt und die Kamera zwischen die Beine hält?)

L wie Liebe
L wie Liebe – Ein Moment im Geburtshaus

In meiner Müttercommunity diskutierten wir damals darüber, und ich äußerte den Wunsch, einmal eine Geburtshausgeburt so fotografieren zu können, wie ich sie selbst erlebt habe. Einfach, um mal andere Bilder davon zu bekommen, als die, die damals kursierten. Und 2005 bekam ich endlich die Chance: Ich begleitete meine Freundin Gundel bei der Geburt ihres Sohnes Jannis im Geburtshaus Chemnitz. Es war beeindruckend.

Aus den Fotos, die ich damals in eine Fotostrecke auf meiner Homepage online stellte, habe ich dann 2009 meine erste Audioslideshow erstellt. Und da es mir in Zeiten, in denen es sich freie Hebammen kaum noch leisten können, Geburtshilfe anzubieten, weil die Haftpflichtversicherungen unbezahlbar sind, wichtig erscheint darauf hinzuweisen, wie unersetzlich ihre Arbeit ist, ist diese Slideshow vielleicht aktueller denn je. Zeigt sie doch, wie schlicht und schön eine Geburt bei guter Vorbereitung und Betreuung sein kann.

Und keine Angst: Weder geht es gleich „zur Sache“, noch gibt es verstörende oder eklige Momente. Im Gegenteil. Lasst Euch ein.

Danke, Gundel und Heiko, dass ich diese Bilder zeigen darf.

Weiterführende Informationen und Links zu Hebammen und Hausgeburten

Eigentlich sind Hebammen die Expertinnen auf dem Gebiet Geburtshilfe. Sie sind es, die eine Geburt begleiten. Ärzte werden nur in kritischen Situationen geholt, sind dagegen aber verpflichtet, eine Hebamme zu einer Geburt hinzu zu ziehen.
Als Anfang dieses Jahrtausends immer mehr Geburtshäuser entstanden, konnten gesunde Mütter mit komplikationsfreien Schwangerschaften dort unter angenehmen und natürlichen Bedingungen gebären. Ohne geburtsmedizinische Einmischung, wie sie so oft aus Zeit- und Kostengründen in Krankenhäusern praktiziert wird. Und nicht selten erst zu Komplikationen führt.

Doch dann stiegen die Kosten für die Haftpflichtversicherungen in einem für Hebammen nicht mehr tragbaren Ausmaß. Wer heute selbstbestimmt gebären möchte und eine Hausgeburt anstrebt, muss lange nach einer Hebamme suchen.

Zwar hat der größte Teil der Kliniken inzwischen Kreißsäle zu Gebärräumen verwandelt und ist den Bedürfnissen der Gebärenden damit in Teilen gefolgt. Die Entwicklung der Kaiserschnittrate ist jedoch alarmierend und legt nahe, dass diese Eingriffe nicht wegen tatsächlichen medizinischen Indikationen durchgeführt werden.
Die Gründe liegen auf der Hand: Ein Kaiserschnitt kann geplant werden und bringt den Kliniken deutlich mehr Einnahmen, als eine natürliche Geburt. Und statt Frauen in ihrer natürlichen Fähigkeit, ihr Kind gesund und selbstständig gebären zu können zu bestärken, wird heute schon bei kleinsten Unsicherheiten in Richtung Kaiserschnitt beraten.

Dass der Kaiserschnitt ein großer Eingriff ist, der sowohl die Mutter gefährdet und nachhaltig beschädigt, als auch Gefahren für das Kind birgt, und dass kaum ein natürliches Bonding stattfinden kann, weil keine natürliche Endorphinausschüttung stattfindet, wie nach einer natürlichen Geburt und die Mutter wegen der frischen Narbe auch kaum in der Lage ist, ihr Kind am Körper zu halten, wird dabei nicht berücksichtigt.

Verschiedene Studien belegen zudem ein erhöhtes Risiko für Allergien, Asthma, Diabetes und Fettleibigkeit. Nicht zuletzt auch, weil den Kindern häufig 2-4 Wochen Entwicklung fehlen und sie noch gar nicht geburtsreif sind. Während den Kindern von Hebammen noch bis zu zwei Wochen nach dem errechneten Entbindungstermin in Mutters Bauch für ihre Entwicklung zugestanden werden, führen Ärzte den Kaiserschnitt meist zwei Wochen vor dem ET durch – wenn Lunge und Gehirn noch gar nicht ausgereift sind.
Umso wichtiger wäre es, wenn Hebammen auch als Hausgeburts- und Beleghebammen wieder in vollem Umfang ihren Job machen könnten und Frauen wieder in ihrer natürlichen und gesunden Fähigkeit, ihre Kinder eigenständig zu gebären bestärken könnten. Damit der irrwitzige Trend, Kinder in sterilen gekachelten Kreißsälen durch eine OP von der Mutter zu entbinden, wieder zurück geht.

Mit dieser Petition an die Bundesregierung und die Verbände der Krankenkassen kämpfen Hebammen für eine höhere Vergütung. Sie ist unterstützenswert: Menschen würde ist kein Ehrenamt – Hebammen brauchen höhere Vergütungen.

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Comments

  1. Reply

    Wunderschöne Bilder!

    Ich bin momentan schwanger und habe mich für eine Geburt im Geburtshaus entschieden, da ich mich dort schlichtweg am besten betreut fühle und gerne mein Kind in einer angenehmen Atmosphäre Willkommen heißen möchte. Eine Geburt ist etwas natürliches, das Millionen Frauen dieser Welt ohne den medizinischen Standard/Wahnsinn (je nachdem) der westlichen Länder auf die Reihe kriegen. Wieso nicht auch wir.

    Es ist gut, dass es notfalls Ärzte gibt, die eingreifen können. Dennoch möchte ich es auf diesem natürlichen Weg versuchen. Die Hebammen leisten schon vor der Geburt bisher tolle Arbeit und ich denke, diese intensive Arbeit sollte viel mehr Beachtung bekommen!

  2. […] Bilder einer Geburt [Archiv 2005] Sandra Schink (@_shamani) in Fotografie + Social Media: “Dann können Sie das Kind auch […]

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